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ZILLO MUSIKMAGAZIN
(Interview vom 12.1999/01.2000)
The Crack Of Doom ist die englische Umschreibung für die *Posaunen
des jüngsten Gerichts*.
Angesichts der vielen musikalischen Sprachen, die innerhalb dieses deutschen
Gothic-Quintetts gesprochen werden, wäre der Bandname "Turmbau zu Babel"
angemessener - mit dem Unterschied, das dieser musikalisch höchst
diffizil und interessante Turm noch nicht zusammengestürzt, sondern mit dem
nunmehr zweiten Album "To Megatherion" ein neues, stilistisch höchst
verwinkeltes Stockwerk erhalten hat.
Schon bei dem 97er Debut "Sound Of Ankh" hatte man das Gefühl nicht einem
Bandwerk, sondern einer Compilation diverser, versierter Formationen
zu lauschen. Dieser Eindruck wird auf "To Megatherion" noch verstärkt.
Was die Band hier unter dem simplen, sehr offen gehaltenen Etikett
"Symphonic Gothic Rock" verwirklicht, ist in Wirklichkeit ein facettenreiches
Kaleidoskop, das von klassisch infiltrierten Balladen ("Eremite", "The Cold Kiss")
über treibende, technoide Tracks,("Empty Pride") bis hin zu
der gewagten, englischen Coverversion von Pink Floyds "Another Brick I The Wall"
reicht.
Der Vorteil dieser stilistischen Offenheit ist ohne Zweifel, dass jeder
Interessierte zumindest
ein Lieblingsstück auf "To Megatherion" finden wird - dennoch offenbart das Werk
auch eine gewisse Unentschlossenheit und einen Mangel an Identität, der
auf der anderen Seite sehr viele mögliche Wege für die Zukunft offen läßt.
GOM von The Crack Of Doom sieht es so:
Diese Vielfalt ist nicht unbedingt gewollt. Aber jeder von uns kommt aus
einer anderen Ecke - und ich selbst höre sehr viele
verschiedene Dinge, von Techno bis Rock. Viele Bands haben ja genau das
gegenteilige Problem, ihr Stil ist definiert und sie schaffen es nicht,
auch mal anders zu klingen. Für mich als Komponist wäre es eine irrsinnige
Vorstellung, zwei Stücke zu machen, die gleich klingen.Und bislang hat noch
jeder in unserer Musik einen roten Faden finden können!
Nun,ich hätte da meine Probleme...!Wie würde er diesen "roten Faden"
definieren?
GOM: Auf alle Fälle mystisch, experimentell.Und unsere Vielseitigkeit selbst
ist auch ein verbindendes Element..!Es ist sehr stimmungsabhängig. Zudem hasse ich
dieses Schubladendenken.Eine Band wie Wolfsheim z.B. ist weit entfernt davon,
gruftig oder düster zu sein, trotzdem werden sie als "Dark Wave" tituliert.
Und so geht`s uns leider auch.Sobald man ernste Musik macht, landet man
in dieser Schublade. Und das ist schade, denn ich würde auch gerne andere
Leute ansprechen.
Auf alle Fälle hat man es bei "The Crack Of Doom" mit ebenso ambitionierten
wie ausgebildeten Musikern zu tun, die ihr Handwerk beherrschen.Vor allen
Dingen die an Pink Floyd gemahnenden Gitarrenbögen heben sich wohltuend von den
brachialen, meist gesampelten Akkorden der Konkurrenz ab...
GOM:" Das ist auch so gewollt.Wir sind auch nicht mehr die Jüngsten und würden
uns auch immer wieder einen Gitarristen suchen, der diese Art des Spielens
beherrscht.Und eine derart gefühlvolle Art des Gitarrenspielens ist in diesem
Genre leider eine Seltenheit."
Trotz der musikalischen Vielfalt besitzt das Album zumindest einen thematischen
Überbau...
GOM:" Megatherion" kommt aus dem griechischen und beschreibt das biblische
"große Biest",das Tier mit Zahl 666...!
Wir haben lange überlegt, ob diesen Titel nehmen, denn wir haben keine Lust,
in die Teufelskult-Ecke gedrängt zu werden.
Auf der anderen Seite geht es um das "Tier im Menschen",das tut, was es will,
ohne zwangsläufig böse zu sein, nur weil es seinen Trieben nachgibt.
Wenn es eine Message gibt, dann die, das man bemüht sein sollte, den
Mittelweg zu finden. Man sollte z.B. sowohl die spirituelle als auch die
animalische Liebe zulassen..!
"To Megathrion" bleibt, trotz aller erwähnten Einwände, ein vor Ideen und guten Songs
übersprudelndes Werk. Welchen Weg The Crack Of Doom wählen - oder ob der babylonische Turm
unter der Vielfältigkeit Last auseinanderbrechen wird, bleibt
abzuwarten....!
ECKI STIEG