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BLACK
Das alternative Musikmagazin
Neulich feierabends in der Discothek noch Mal schnell durch einige Promos
stöbernd ... nunja, dachte ich, nimm's mal mit und hör vorsichtig rein ...
Aus irgendeinem Grund erwartete ich so eine Kreuzung aus THERION und TOTENMOND, bei denen
sich beim Hören meine Ohren zusammenrollen, auch wenn die Umschreibung
"Celebraler Symphonic-Gothic-Rock" nicht gerade in diese Richtung weist.
Aber ich dachte an schrille Frauenstimmen an der Schwelle zur Hysterie,
Dämonengekrächze aus dem Gulag, Violinenwirrwarr in 20spuri-gen
Gitarrensägewellen - schlicht Entsetzliches - aber es kam anders.
Ich war zwar dem Tode nah, als ich mich am nächsten Morgen halberwürgt
vom Kopfhörerkabel und von Soundmuscheln umschlungen auf meinem Schlaflager
wiederfand, aber viel merkwürdiger war doch, daß ich beim Aufstehen ernsthaft
überlegte einen THE CRACK OF DOOM-Fanclub zu gründen -ich!?, der allenfalls
einem Antiverein-Verein beitreten würde. Also, ganz ruhig Freundchen, besann
ich mich, mach nicht gleich einen überdrehten Witz daraus, schau erst mal,
was die Leute von THE CRACK OF DOOM über ihr plötzliches Erscheinen auf dem
Musikmarkt zu sagen haben - und wie nüchtern sie mit solch entfesselten Fans wie
meinereiner umzugehen pflegen.
?
Zunächst natürlich die Mutter aller Fragen, was das musikalische Neuland
betrifft: Wer seid Ihr? Woher kommt Ihr, und warum macht Ihr Musik? Euch
gibt es nun, glaube ich, bereits seit 7 Jahren - habt Ihr Euch im Zoo,
auf dem Parkplatz oder auf dem Bau (im Dark Tower vielleicht) getroffen und
wieviele Künstler wirken denn nun bei The Crack of Doom • angesichts dieses
multistilistischen Sounds eigentlich mit?
Wir sind allesamt Kreuzritter aus einer anderen Dimension! Ein Teil von
uns rekrutiert sich aus Reinkarnationen verstorbener Komponisten, die
aus dem Himmel gesandt wurden. Der andere Teil besteht aus Dämonen, die dem Nexus von
Sominus entstammen. Dieses Joint Ventura aus Himmel und Hölle dient
letztendlich dem Zweck, die Grundfesten unserer Welt zu erschüttern
und aus dieser reinigenden Katharsis eine neue Weltordnung zu errichten!
Dies geschieht mit Hilfe der Musik, die - die Beatles haben es ja schon
lange praktiziert - mit der Backmasking-technik den Hörer zu einem Umdenken
provoziert und so zu Unruhen und Massenorgien führt!
Aber Spaß beiseite: THE CRACK OF DOOM besteht aus sechs Personen: Uwe und
Bea -Gesang, Torsten - Keyboards, Christian -Gitarre, Georg - Baß und
Schucki - Schlagzeug. Die Kerngruppe besteht aus Torsten und Uwe. Die
beiden kennen sich schon viel länger als es THE CRACK OF DOOM überhaupt
gibt. Christian und Schucki kamen im Zuge der Studioarbeit zur
ersten Maxi-CD 1994 mit an Bord. Bea und Georg gehörten auch schon
immer mit zum Dunstkreis, hatten aber z.T. noch andere Projekte laufen.
Und als die abgelegt wurden, haben wir sie gefragt, ob sie bei uns
mitmachen wollten, und schon waren sie mit dabei. Also ha|t das Übliche.
Aber frag uns bitte nicht warum wir Musik machen. Das ist eine der Fragen,
auf die es keine Antwort gibt! Warum bist Du eigentlich Schreiberling bei
einer Zeitung geworden? Ich denke einmal, das kann man nicht genau
beantworten. Man hat irgendwann einmal ein Faible für das Musizieren
entdeckt und ist so davon fasziniert, daß man es unbedingt weiter
ausbauen möchte. Und irgendwann entdeckt man, daß das ein Metier ist,
das einen so ausfüllen und auch weiterhin interessieren kann, daß man
daraus eine Profession machen möchte.
?
Ihr sagt, die beachtliche Reifezeit dieses Albums (1993 - 1997) wurde
unter anderem durch intensive ästhetische Diskussionen, analytische
Auseinandersetzungen und nervenaufreibende Umbesetzungen gekennzeichnet.
Es sollte kein bloßes Kunsthandwerk abgeliefert werden, was eben, wie
ich glaube, ein Großteil der Lieferanten tut. Man spürt bei "Sound of Ankh"
die Dichtheit, die Aussagekraft, die Originalität - ausgedachte und ausgelebte.
Ober der bloßen Kunst regiert die Aussage und Glaubwürdigkeit des Künstlers - Ihr
nennt es Perfektionismus - ist es letztlich das Bedürfnis nach Unmißverständlichkeit
dem Hörer gegenüber, wie er Eure Kunst interpretiert?
Nein, sicherlich nicht! Wir haben natürlich unsere eigenen Ansprüche an einen
guten Song. Aber das definiert ja jeder Künstler für sich selbst. Und wenn wir
schon Unmißverständlichkeit erreichen wollen, dann nur im Verband der Band selber.
Würde eine unzweideutige Unmißverständlichkeit bei jedem Hörer in Bezug auf unsere
Musik herrschen, dann müßten wir uns dahingehend Gedanken machen, inwiefern unsere
Musik durchschaubar ist. Aber das ist Musik im Allgemeinen ja gottseidank nicht.
Und die Rezensionen die wir mittlerweile erhalten, bestätigen dies ja auch. Dort
werden uns Einflüsse attestiert, die wir selber erstens noch nie rezipiert haben
und zweitens, die wir bei der Komposition desjenigen Stückes, um das es geht, niemals
im Hinterkopf hatten. Aber zur Einleitung Deiner Frage zurückzukommen: Wir haben nicht
von '93 - '97 permanent an der Fertigstellung dieses Albums gearbeitet! Dieser
Zeitraum kommt zustande, weil wir eine Menge Umbesetzungen hatten, in dieser
Zeit haben wir auch eine Unzahl weiterer Stücke geschrieben, die mittlerweile
auch wieder in der Versenkung verschwunden sind. Wir haben in dieser Zeitspanne
auch immer wieder versucht einen ordentlichen Planenvertrag zu bekommen. Aber
man hat uns bis dato halt immer nur Müll angeboten. Und dafür ist uns das, was
wir zu bieten haben, viel zu Schade um einfach so mir nichts dir nichts die
Toilette runtergespült zu werden. Nun ja, und in dieser Zeitspanne haben sich
halt durch einen natürlichen Ausleseprozeß - welche Stücke sind nach wie vor
beliebt und haben Aussagekraft, welche Stücke bieten nach wie vor Angriffsfläche
für weitere Bearbeitungen, etc. - Stücke soweit erhalten, die nun auf
"The Sound of Ankh" quasi eine Retrospektive künstlerischen Schaffens der
letzten fünf Jahre beinhaltet.
?
Was die Vertragsangebote angeht, die Ihr eine Weile verschmäht habt:
Professionalität bescheinigt Ihr mit diesem 1. Album zweifellos und
inhaltlich eine fünfjährige Retrospektive künstlerischen Schaffens attestiert
mir schon fast den Status eines Best-of-Atbums (wobei letzteres natürlich
Geschmackssache ist). Also abgesehen von Radiotauglichkeit kann ich mir kaum
vorstellen, welche Klauseln musikalischer Natur einem Vertrag im Wege standen.
Ich schätze, das hatte wohl mit ganz anderen Dingen zu tun ?
Die Antwort darauf ist ganz einfach und nur in der Tatsache begründet, daß wir
uns sehr kritisch mit unserer Entwicklung als Band auseinandergesetzt haben.
1993 unterschrieb C.O.D. einen Vertrag für eine CD-Produktion und von da an
hatten wir die Möglichkeit alle unsere Songs in einem Mega-professionellen
Studio aufzunehmen.
Wir konnten solange arbeiten wie wir wollten, hatten allerdings einen
Produzenten , für den die Musik von THE CRACK OF DOOM absolutes Neuland war.
Was bringt einem ein tolles Studio, Geld und eine Band mit Zukunft, wenn man
unkreativ in seiner Produzentenvergangenheit rumstochert und vor wirklich
neuen Ideen halt macht? Eigentlich wollten wir auch nur Musik machen, aber
schon damals war uns klar, daß wir nur mit den Dingen zufrieden sein werden,
die wir uns ganz allein erarbeiten. Also stellten wir uns ein eigenes Tonstudio
zusammen und produzierten von da an alles selbst. Ich denke einmal, für eine
Band, die vom komponieren bis zum fertigen CD-Mix alles selbst in die Hand nimmt,
bedeutet das nicht nur eine Menge Arbeit; dafür muß man schon geschaffen sein.
Hinter solchen Entscheidungen steht allerdings selten eine ganze Band und somit
trennte sich auch da wieder der Spatz von der Nachtigall. Musikalisch und
menschlich waren all diese nicht ganz unproblematischen Entscheidungen sehr
wichtig für C.O.D. Mit den folgenden Label-und Verlagsangeboten sind wir somit
auch äußerst kritisch umgegangen. Einigen für uns in Frage kommenden Firmen
haben wir auch ein Demo geschickt, aber wie so oft in der Geschichte von
THE CRACK OF DOOM war es der Zufall, der uns zu M.O.S. Records brachte.
Das alles braucht so seine Zeit und an die Story von der Band, die sich
vor 14 Tagen in der U-Bahn traf, glaubt doch niemand mehr.
Ein weiteres Kriterium für die intensive Vorbereitung und einer
zugegebenermaßen zögerlichen Haltung in Bezug auf den Schritt an die
Öffentlichkeit sollte immer die Absicht sein, eine gute Live-Band zu werden.
Das war uns oft wichtiger als der Piattendeal. Die Geschicke einer Band werden
im Laufe der Jahre (vorausgesetzt sie ist von sich und ihrer Kreativität überzeugt
und überlebt auch die harten Zeiten) von so vielen Faktoren bestimmt, daß ich hier
wohl locker ein Buch mit mindestens 7 Siegeln schreiben könnte; mach ich auch
später mal. Immerhin hast Du jetzt eine Menge Infos bekommen und irgendwie
hoffe ich, daß es ausreicht, wenigstens ein kleines Rätsel um
THE CRACK OF DOOM zu lösen.
?
Da ich eigentlich gar kein Fan von so vermischten Musikstilen bin,
fragte ich mich, was mich an diesem Album so fasziniert. Dabei stieß
ich letztlich auf zwei Merkmale: Die sture Monotonie des Rhythmus in den
Songs und keine bombastisch-orchestral aufdringliche Sequenzen, die im Klangwust
ersaufen. Habt Ihr das bewußt so kreiert, um am Ende ein
Gothic-Wave-Rock-Konzept beizubehalten?
Siehst Du, da haben wir ja schon die Mehrdeutigkeit in unserer Musik!
Du machst Dir Gedanken über ein übergeordnetes Konzept in unserer Musik.
Aber das gibt es in Bezug auf Deine Vermutung nicht. Jeder von uns hat seine
ureigensten kreativen und instrumentalen Fähigkeiten. Und gerade die Mischung
dieser sechs kreativen Persönlichkeiten machen unseren Personalstil aus.
Es ist schon richtig, daß wir keine orchestralen Klangwände aus Streichern
und Chören derart aufbauschen, daß man nur noch Matsch hört. Aber ich denke
einmal, daß das erstens unser eigener Stil ist - man soll ja auch die anderen
Instrumente noch hören - und zweitens ist das Betriebsgeheimnis! Aber wir sind
sicherlich nicht angetreten, um bewußt eine Musik zu kreieren, die im Grunde
genommen einem anderen Genre zugehörig erscheint, aber letztendlich so hingebogen
wurde, so daß wir einem bestimmten anders gearteten Hörerkreis unseren Tribut
zollen wollen. Kreativität kommt zunächst einmal aus dem Künstler selber heraus.
Und diese Kreativität soweit wie möglich beizubehalten und nicht durch
Marktmechanismen oder Publikumsgeschmäcker verwässern zu lassen ist im
Grunde genommen das Ziel eines jeden Künstlers. Und davon zeugt auch das
Material auf "Sound of Ankh".
?
Euer Album ist recht satt promotet worden. Gibt es was Positives bzw.
Feedback und Verkaufszahlen zu vermelden?
Da können wir noch überhaupt nicht viel zu sagen. Playlists liegen uns noch
nicht vor, ebenso wie Verkaufszahlen. Befrag uns ein halbes Jahr später noch
einmal dazu. Aber momentan läuft die Promotion-Maschine. Wir haben schon einige
Interviews für die Presse und auch fürs Radio gegeben und zumindest im Lokalfunk
werden wir auch schon des öfteren gesendet. Desweiteren haben wir schon einige
Plattenrezensionen erhalten (Zillo, Orkus, Sonic Seducer, etc.). Aber wie gesagt, uns
liegt noch nichts genaueres vor. Wir können zunächst nur von wenigen einzelnen
Reaktionen ausgehen. Aber der erste Eindruck bestätigt uns, daß es brummt.
?
Nach diversen lokalen Live-Erfolgen im Bonner Raum, aber auch auf Open-Air-Konzerten
im In- und Ausland, wird man wohl nun bundesweit livemäßig sicher mehr von Euch zu
hören bekommen?
Von unserer Seite her hoffen wir das auch. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt
nun abhängig von den Veranstaltern und auch Konzertagenturen, die mit unserem
Material bemustert worden sind. Aber ich denke, daß das nur noch eine Frage der
Zeit ist, bis das auch losgeht. Es gibt da einige Termine für Gigs, die aber noch
nicht bestätigt worden sind. Was wir aber schon gesichert hier verkünden können
ist, daß wir am 29. Oktober im "Suppkultur" in Koblenz zusammen mit
"Catastrophe Ballet" auftreten werden.
?
Bei der Vielfalt an musikalischen Stilrichtungen, die Ihr verarbeitet,
stellte ich mir zuerst die Frage, ob der Name THE CRACK OF DOOM so bewußt
gewählt wurde, um den "Doom-Kult" musikalisch aufzubrechen und neu zu definieren,
den Leuten zu zeigen, was machbar ist, um stereotypen Musikszenen und
Schubladenfanatikern vielleicht eine Nase zu drehen?
Das könnte eventuell ein Nebeneffekt werden. Aber das können wir natürlich jetzt
noch nicht absehen. In Wirklichkeit sieht das aber anders aus:
"The Crack of Doom" ist die englische Umschreibung für "Die Posaunen des
jüngsten Gerichts". Wir haben diesen Namen damals einmal aufgeschnappt und
uns gedacht, daß das ein schöner Bandname ist, der auch einiges Mysteriöses
beinhaltet. Das geschah aber zu einem Zeitpunkt, an dem es noch keinen
"Doom-Metal" oder -kult gab! Und von daher sind uns diese Fragen auch nicht
mehr neu. Denn wir distanzieren uns davon vehement (Was man ja auch hören kann!)!
Wir haben in der Vergangenheit eine stetige Entwicklung durchgemacht, aber
wir wollten mit jedem Entwicklungsschub uns nicht immer einen neuen Namen
geben. Und so steht der Name "THE CRACK OF DOOM" für das Kontinuierliche
inmitten einer ständigen Um- und Weiterentwicklung innerhalb der Band.
Wir wollten auch Fans von damals nicht bei jeder Umbesetzung oder
musikalischen Weiterentwicklung mit immer neuen Bandnamen konfrontieren.
Das hätte nur Verwirrung gestiftet. Von daher steckt da keinerlei gezielte
Absicht dahinter.
?
Wenn wir schon bei Namen sind: Der "Sound of Ankh", bezeichnet er
etwas Neues, Euer musikalisches Ideenreich, oder steht er sprichwörtlich
für das (Zitat aus dem Presse-Info) "Jenseits der physikalischen Grenzen
des Hörers, wo pure Rationalität herrscht"?
Die Kernaussage dessen hast Du ja in Deinen Fragen und Eindrücken
schon mehrfach thematisiert: Man hört etwas und denkt sich, "Halt! Das
kenne ich irgendwoher, aber ich weiß nicht woher!", und man sucht nach
schon bekannten Sachen, die in etwa in die Nähe dessen kommen, was man schon
einmal gehört hat. Und da kommen dann diese Querverweise zustande mit denen
wir schon seit einiger Zeit konfrontiert werden. Und damit wird dann die
Grenze des physikalischen Hörens sogar jenseits des rationalen Verständnisses
katapultiert, da man das,was man hört nicht eindeutig fassen kann, aber
dennoch davon bzw. gerade deswegen fasziniert ist.
Aber der Titel "The Sound of Ankh", ('Ankh', ägypt. für 'Leben') spiegelt
dabei für uns nur die unterschiedlichsten Facetten des Lebens wider, die
wir mit diesen dreizehn Stücken zum Ausdruck bringen wollen. Hier liegen
dreizehn musikalischen Interpretationen über gesellschaftliche und
psychologische Situationen vor, die wir mit unserer ureigenen Kreativität
in einen jeweiligen Rahmen verdichtet haben. Inwiefern man das als etwas
Neues bezeichnen kann, dafür ist es wohl noch etwas zu früh, um darauf
abzielen zu können. Und so arrogant sind wir nicht, als das wir so etwas
von vorne herein auf unsere Fahnen schreiben würden.
?
Bisher hat mich kaum ein Album an so viele Acts der Vergangenheit
erinnert, querfeldein. Trotzdem klingt es nie nachgeahmt. In "Metachrome"
streifen mich minimalisti-sche Klaus Schulze-Allüren, der "Dark Tower" läßt -
wie ich beobachten konnte - die Ohren von Nehphilim-Fans spitz zulaufen, bei
"Sound of Ankh" bleibe ich irgendwo zwischen Frank Tovey und Veljanov
hängen -trotz genrefremder Musik. Manchmal glaube ich dann, ein paar
schräge Harmonien des alten Camel-Sounds auszumachen ("Case of Sorrow"),
"Octagon" überschwemmt gar mit ca. 8 Assoziationen - eine
Marilyn Manson-Gitarre, Unschuldsvocals a la St. Etienne, der
frühe Rotz von Project Pitchfork, jaulend Pink Floyd-Gitarren
und im Epilog Vocals bester Tears for Fears Machart... Dann kommt ein
"Stone Thing" und versprüht ein bedrohliches Flair mit der Erzähldramatik
eines Valor. Bin ich jetzt letztlich ein "stoned thing" dessen Assoziationsketten
einen hausgemachten Unsinn ergeben, oder • wenn nicht - inwieweit passen jene
alten wie neuen Genres in Euren musikalischen Output?
Das ist doch gerade das Spannende an Musik, daß sie so offen ist für die
unterschiedlichsten Assoziationen und auch Wirkungen beim Hörer. Das macht
sie doch gerade so interessant, daß sie so eine große Basis für
Interpretationen liefert. Wir wissen zwar auch, daß wir damit den einen oder
anderen Hörer verprellen, der sich mehr Stücke in der Machart eines, sagen
wir mal "Chalice" oder "Rose Dance" wünscht. Aber in erster Linie soll uns
unsere Musik Spaß machen. Und das Verweilen in nur einer einzigen musikalischen
Sphäre wäre uns zu langweilig. Es ist, und das habe ich ja auch schon vermerkt,
immer wieder lustig für uns, wenn uns Einflüsse attestiert werden, die wir
überhaupt nicht kennen. Wir kennen natürlich die einschlägigen
Heroen der \Wave- und Independent-Szene und wir würden kaum in diesem
Fahrwasser agieren, würde uns diese Musik nicht gefallen. Aber wir gehen
nicht bewußt mit konkreten Stilentlehnungen an die Komposition eines
Stückes heran! Damit würden wir uns und vor allem der Glaubhaftigkeit des
jeweiligen Stückes untreu werden. Das was Du von uns hörst kommt immer von
uns selbst! Aber wir selbst haben uns und werden uns niemals die Frage stellen,
was, ob und warum wir gerade solche für den Hörer so reizvollen Parallelen zu
anderen Gruppen vollziehen. Denk nur einmal darüber nach in was für einer Zeit
wir leben: Wir leben im Zeitalter des Eklektizismus! Alle Schubladen sind offen
und jeder kann dort hineingreifen und Dinge miteinander verbinden, die vorher
unmöglich erschienen. Woher kommt schließlich der Begriff "Crossover"? Hör Dir
nur einmal im Radio den Deppen-Techno an, der mangels eigener Kreativität,
uralte Melodien von vergangenen Jahrzehnten in einen Bumm-Bumm Rahmen einbindet
und noch nicht mal mehr Halt vor der klassischen Musik macht. Das sind ziemlich
subtile Methoden. Aber wenn Dir das eine Erklärungshilfe ist, so würde ich sagen,
daß wir einen inzestuösen Crossover auf unbewußter Ebene in unserem eigenen Genre
vollziehen. Bei uns, daß haben wir auch schon mehrfach verkündet, findet man eine
Bandbreite von Depeche Mode bis hin zu Sisters of Mercy vor. Aber solange das den
Hörer reizt, er das gut findet, dann ist das ein legitimes Mittel. Aber wie
gesagt: Dies geschieht nicht mit einer konkreten Absicht. Eher auf der unbewußten
Ebene und selbst dann immer noch unvorhersehbar, wenn uns Einflüsse unterstellt
werden, die wir selbst nicht kennen.
?
Also gut, Ihr habt mich überzeugt und ich werde etwaige Deja-Vu-Blitze,
die Eure Musik auslöst, in Zukunft einem "Jung'schen Kollektiv unbewußten"
30jähriger elektronischer Musik in die Schuhe schieben. Ich unterstelle Euch
natürlich auch keine Absicht, sondern fühle Euch auf die Beißerchen, und es ist
doch richtig erfrischend, auf wieviel Humor sowie auch Ernsthaftigkeit man immer
trifft, wenn man mit existentiellen Fragen bohrt. Eure Äußerungen sind jedoch
so aufschlußreich, daß sie mir auch eine Antwort auf eine nicht gestellte
Glaubensfrage zu geben scheinen: Ihr seid weder konkret oder fanatisch gläubig,
glaubt nicht an den Weihnachtsmann und andere Fabelwesen. Ihr jagt keiner
"Wahrheit" hinterher, sondern stochert nur humor- und hochachtungsvoll im
Leben und dessen Mystik herum - die einzige Möglichkeit, um am Ende nicht
wahnsinnig zu werden oder den Holzweg zu erwischen -liege ich richtig ?
Auch Deine Frage ist sehr aufschlußreich und deshalb gebe ich Dir auch auf
einige nicht gestellte Glaubensfragen eine Antwort ! Ja und Nein! Ich
weiß nicht, warum gerade Künstler immer wieder mit solchen
existentiell-philosophischen Fragen zu ihrem Werk behelligt werden. Man macht
etwas, wovon man denkt, daß es gut ist und hinter dem man auch steht. Das ist
das Professionelle! Aber einer bestimmten Wahrheit damit auf die Spur zu
kommen, ist wohl eher etwas für Physiker und Mathematiker. Und soweit ich
mich mit Musik beschäftigt habe sind Musiker/Komponisten immer wieder aufs
Maul gefallen, wenn sie ihrer Musik einen bestimmten theoretischen und auch
philosophischen Überbau geben wollten. Die sind sämtlichst als Spinner
ausgelacht worden. Ich glaube auch nicht, daß ein Fußballer bei jedem
Schuß aufs Tor sich über die philosophische Bedeutung seines Tuns im Klaren ist.
Er macht es einfach! Das Schlimme an dieser Sache ist immer wieder unsere
Kulturgeschichte, die auf alles und jedes was mit Kultur zu tun hat, eine
konkrete Antwort im Sinne einer Bevormundung des Rezipienten vom Künstler
erwartet. Dabei liegt die Antwort darauf doch so nah: Beschränke dich auf
dich selbst. Traue nur deinen Eindrücken und laß dir von keinem
selbsternannten "Kulturpapst" erzählen was daran gut oder schlecht ist.
Da braucht man natürlich auch wieder etwas Grips, den man vielleicht auch
wieder aktivieren muß. Am Anfang tut das noch weh, aber danach ist es ganz
schön. Was den Fanatismus, die Humor-und Ernsthaftigkeit angeht, so muß man
bei solchen Stichworten wieder ein bestimmtes Bewußtsein voraussetzen:
Fanatismus ist eine Ausprägung, die ähnlich wie bei Drogen-und
Alkoholmißbrauch zu radikalen Exzessen führt. Wären wir fanatisch,
könnten wir so eine Musik nicht produzieren. Das würde nur zu Einseitigkeit
führen, weil man mit Scheuklappen durch die Gegend läuft. Da wäre man ja
schon wahnsinnig, weil man völlig jenseits der Norm des Lebens agiert.
Was die Humor-und Ernsthaftigkeit anlangt, so sind das wiederum zwei
Extreme. Deine Frage schielt jetzt so in die Richtung, daß man meinen
könnte, wir wären eine lustige Grufti-Band, die das Publikum veräppeln
will. Wir sind weder Clowns noch seriöse Banker hinter unseren Instrumenten.
Wir formen unsere Musik nicht mit diesen beiden Extremen. Wr sind ernsthaft
in der Art, wie wir unsere Musik machen und wir sind in dem Sinne humorvoll,
das wir nicht permanent in Sack und Asche gehen und auf Friedhöfen abhängen,
um die nötige Stimmung für unsere Kompositionen zu bekommen. Das wichtige ist
in diesem Zusammenhang, daß man den nötigen Abstand zu dem hat, was man macht,
dabei aber noch mitten drin steht und nicht den Faden verliert. Das erreicht
man mit der richtigen Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor. Aber auch das
kommt automatisch bei THE CRACK OF DOOM. Wir machen uns darüber keine Gedanken.
Wir sind so. Es steckt da also auch hier wieder keine bestimmte Absicht dahinter.
Ob wir da eines Tages auf den Holzweg kommen oder dabei wahnsinnig werden ist auch
hier wieder hypothetisch. Aber ich denke, Du wärst besser Psychologe geworden
als Redakteur bei einem Magazin.
?
Letzte offene Frage: Und jetzt andersherum: Wenn Ihr mir keine konkreten
Einflüsse auf Eure Musik geben könnt- welche 5 Tonträger nehmt Ihr dann mit
in die Verbannung?
TORSTEN:
The Crack of Doom "Sound of Ankh" / Gene Loves Jezebel "Promise" / Myrna Loy "Time says
helay / Trisomie 21 "Million lights" / Clan of Xymox "Twist of shadows"
UWE:
The Crack of Doom "Sound of Ankh" / The Mission "Gods own medicine" /
The Sisterhood "Gift" / Pink Turns Blue "Aerdt" / Clan of Xymox "Medusa"
BEA:
The Crack of Doom "Sound of Ankh" / Cocteau Twins "Victorialand" / David Sylvian
"Secrets of the beehive" / Simple Minds "New gold dream" /
This Mortal Coil "Blood"
CHRISTIAN:
The Crack of Doom "Sound of ankh" / Gibson Les Paul "100 Satz Seiten u. 12x 500WATT" /
Kazumi Watanabe "alles"
GEORG:
The Crack of Doom "Sound of Ankh" / The Cure "Live in Lion'82(bootleg)" /
Laurie Anderson "United states I-IV7 Die Konsonauten in der
Doppelhaushälfte "Nußknacker u. Mausekönig (Hörspiel)" / Richard Wagner
"Das Rheingold"
SCHUCKY:
The Crack of Doom "Sound of Ankh" / Marillion "Brave" / The Sisters of Mercy
"First and last and always" / David Bowle "Outside" / Ministry "The mind is a
terrible thing to taste"
Tja, Du siehst, daß das nicht sehr aufschlußreich ist. Das Ganze führt doch
dahin, daß wir wie Brian mit dem Stummen in der Grube stehen und sagen
können was wir wollen - man glaubt uns entweder alles, oder gar nichts.
Ich denke einmal, Du hast die Frage falsch gestellt! Du hättest fragen sollen,
welche 5 Platten wir aus den Bereichen Gothic/Dark mitgenommen hätten! Aber
weil das ja allgemein gehalten war und ich selbst über die Liste meiner Band
überrascht war, kann ich nur diese Infos weitergeben.
Kismet!
- Joachim Sauer -